Symptome bei Zöliakie / Sprue

Wie reagiert der Darm auf Gluten?

Der Dünndarm hat die Aufgabe, die Aufnahme von wichtigen Nährstoffen in das Blut zu ermöglichen. Zu diesem Zweck befinden sich auf der Dünndarmschleimhaut Millionen von Zotten (winzige fingerähnliche Fältchen), die die Aufnahmefläche des Darms für die Nährstoffe um ein Vielfaches vergrößern. Durch die Zuführung von Gluten kommt es jedoch bei einem Zöliakie- / Sprue-Betroffenen zu einer Entzündungreaktion der Dünndarmschleimhaut. Dadurch kann der Darm weniger Nährstoffe aufnehmen und die Nahrung gelangt nur halbverdaut in den Dickdarm. Da der Dickdarm mit nur halbverdauter Nahrung nichts anfangen kann, bekommt der Betroffene heftige Durchfälle, die die Dünndarmschleimhaut von mal zu mal immer mehr schädigt, indem die Zotten nach und nach abflachen und zerstört werden (sog. „Zotten-Atrophie“). Aufgrund dieser Abflachung und der damit verbundenen mangelhaften Nährstoffaufnahme kommt es zu den unten beschriebenen Symptomen.

Neueste Studien haben ergeben, dass die für Zöliakie / Sprue typischen Symptome immer rückläufiger werden und teilweise sogar ganz fehlen können. 

Welche Symptome haben Säuglinge, Kinder und Jugendliche? 

Die glutenhaltige Ernährung setzt bei Babys in der Regel zwischen dem 6. und 8. Lebensmonat durch das Zufüttern von z.B. Grießbrei, Nudeln, Keksen usw. ein. Bis die ersten Symptome auftreten, vergehen dann meistens noch weitere 4 bis 6 Monate, so dass bei vielen Kindern die Zöliakie erst zwischen dem 1. und 2. Lebensjahr diagnostiziert wird. 

Die Symptome einer typischen Zöliakie bei Säuglingen und Kleinkindern:

  • tritt in der Regel im 1. oder 2. Lebensjahr auf
  • Durchfall (Diarrhoe), dauerhaft oder periodisch
  • Produktion massiger, übel riechender Gärungsstühle von hohem Fettgehalt (Steatorrhoe), dauerhaft oder periodisch
  • ein geblähter bzw. aufgetriebener Bauch mit „plätscherndem Darminhalt“
  • Wachstumsstillstand bzw. -rückstand
  • Gewichtsstillstand bzw. -abnahme
  • Blässe
  • Appetitlosigkeit, Übelkeit und/oder Erbrechen
  • Bauchschmerzen und/oder Blähungen
  • Wesensveränderungen: Weinerlichkeit, Müdigkeit, Lustlosigkeit, Apathie

Die o.g. Symptome müssen bei einem Säugling oder Kleinkind nicht immer alle gleichzeitig auftreten, es kann auch zur Ausprägung nur eines Symptoms kommen. 

Bei Neugeborenen ist es empfehlenswert, von Geburt an bis zum 6. Lebensmonat voll zu stillen und erst dann zuzufüttern, da dies gegen die Symptome von Zöliakie schützend sein soll. Das heißt aber nicht, dass die Zöliakie dadurch verhindert werden kann, es wird lediglich der Zeitpunkt des Auftretens der ersten Symptome verzögert.
 
Außerdem ist sehr häufig beobachtet worden, dass Kinder, bei denen Zöliakie diagnostiziert wurde, in den ersten Lebensmonaten sogenannte typische „Schreibabys“ waren. 

Die Symptome einer typischen Zöliakie bei Jugendlichen:

  • Produktion massiger Stühle
  • Appetitlosigkeit
  • Wachstumsstillstand bzw. -rückstand
  • verzögerte Pubertät
  • Blässe
     

Die Symptome einer atypischen Zöliakie bei Kindern:

  • tritt in der Regel nach dem 2. Lebensjahr auf
  • Kleinwüchsigkeit
  • Veränderungen des Zahnschmelzes
  • Blutarmut (Anämie)

Zu den häufigsten Begleiterkrankungen der atypischen Zöliakie zählt die Hauterkrankung „Dermatitis herpetiformis Duhring“. Dabei handelt es sich um eine chronische Hauterkrankung, bei der es schübchenweise zu einer stark juckenden und brennenden Bläschen-, oder Fleckenbildung auf der Haut kommt. Diese Erkrankung tritt meist im Alter von 20 - 40 Jahren auf und es ist etwa einer von 100.000 davon betroffen. 

Die Symptome einer latenten Zöliakie bei Kindern:

  • betrifft häufig Familienangehörige von diagnostizierten Zöliakie-Betroffenen
  • nur anhand des Blutbildes erkennbar (Gliadin-Antikörper)
  • keine Schädigung der Dünndarmschleimhaut
  • keine Symptome der typischen Zöliakie

Bei der latenten Zöliakie können die typischen Symptome einer Zöliakie verbunden mit der Beschädigung der Darmschleimhaut zu einem späteren Zeitpunkt auftreten. 

Die Symptome einer stillschweigenden Zöliakie bei Kindern:

  • betrifft häufig Familienangehörige von diagnostizierten Zöliakie-Betroffenen oder „Gesunde“
  • nur Veränderung der Dünndarmschleimhaut
  • nur Ergebnisse von Labortests positiv
  • keine Symptome der typischen Zöliakie

 

Welche Symptome haben Erwachsene?

Oftmals nimmt die Zeit bis zur eindeutigen Diagnose bei Erwachsenen einen sehr viel längeren Zeitraum in Anspruch als bei Kindern mit Zöliakie, da das gleichzeitige Auftreten aller unten beschriebenen Symptome beim Erwachsenen sehr selten ist oder die Symptome oftmals nur schwach ausgeprägt sind. Dadurch ist es für die Ärzte schwer, unmittelbar auf die Krankheit Sprue zu schließen. Im Durchschnitt dauert es ca. 5 Jahre, bis beim Erwachsenen die Symptome richtig gedeutet werden und Sprue diagnostiziert werden kann. 

Die typische Sprue tritt in der Regel zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr mit folgenden Symptomen auf: 

Die häufigsten Symptome einer Sprue beim Erwachsenen sind: 

  • Blutarmut (Anämie)
  • Übelkeit
  • Osteoporose
  • Regelblutung bleibt länger als 4 Monate aus
  • Verstopfung (auch möglich aufgrund des Eisenmangels)
  • Müdigkeit, Erschöpfung
  • Appetitlosigkeit oder auch ständiger Hunger

Eher selten: 

  • Durchfall
  • Gewichtsverlust
  • Blähbauch

Die Symptome einer atypischen Sprue bei Erwachsenen:

Die atypische Sprue tritt in der Regel zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr mit folgenden Symptomen auf: 

  • nur anhand des Blutbildes erkennbar (Gliadin-Antikörper)
  • nur Schädigung der Dünndarmschleimhaut, sonst keine weiteren Symptome der typischen Sprue